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Band lebens- und liebenswert
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Arbeitskreis Stolpersteine
Sprecher: Gernot Fritz
Lärchenweg 2
55624 Rhaunen

Stolpersteine – Gegen das Vergessen

Seit 2012 gibt es gibt es in Rhaunen Bestrebungen, um mit der Verlegung sogenannter Stolpersteine an das Schicksal der Opfer des Nazi-Terrors zu erinnern. Mit dem bisherigen Verlauf der Aktion und dem weiteren Vorgehen befasste sich der Arbeitskreis Stolpersteine anlässlich seiner letzten Zusammenkunft in diesem Jahr. Das Resümee der vergangenen Monate fällt durchweg positiv aus: Das grundsätzliche OK der Gemeinde liegt vor und die Rhauner Herbstmarkt im Oktober, dem Gemeindefest der evangelischen Kirchengemeinde am zweiten Adventssonntag und zuletzt beim Weihnachtsmarkt konnte der Arbeitskreis mit zahlreichen Informationen die Einwohnerschaft für die Thematik sensibilisieren. Besonders dankbar zeigte sich der Arbeitskreis gegenüber dem Engagement der evangelischen Kirchengemeinde, die das Thema Stolpersteine in den Mittelpunkt ihres Gemeindefestes stellte und den Erlös von 420 Euro der Aktion Stolpersteine zur Verfügung stellte. Bescheidener fiel dagegen der Spendenaufkommen am Rhauner Weihnachtsmarkt aus, wo einige Standbetreiber Sammelbüchsen aufgestellt hatten. Im Vordergrund stand ohnedies, Marktbesuchern die Möglichkeit zu bieten, sich mit der Aktion vertraut zu machen. So besuchte auch Landrat Dr. Matthias Schneider, gemeinsam mit VG-Bürgermeister Georg Dräger, den Arbeitskreis im alten Rathaus, wo beiden dem Anliegen der Initiative Anerkennung und Respekt zollten. Wie sich beim Treffen des Arbeitskreises herausstellte, gestaltet sich der Abgleich der Daten aus den vom Bundesarchiv Koblenz herausgegebenen Gedenkbüchern „Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945“ mit der Datenbank der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem arbeitsintensiver als ursprünglich gedacht. Sobald die Recherche abgeschlossen ist und mindestens 3000 Euro Spenden zusammengekommen sind, soll mit dem Künstler Gunter Demnig Kontakt wegen der Verlegung der Gedenkquader aufgenommen werden. Demnig macht mit dem dezentralen Mahnmal Stolpersteine seit fünfzehn Jahren auf das Schicksal aller Opfer des Nationalsozialismus aufmerksam, indem er vor ihrem letzten frei gewählten Wohnort kleine Gedenktafeln im Trottoir verlegt. Über sechs Millionen Juden, Hunderttausende Sinti und Roma, mehr als einhunderttausend Kranke und Behinderte, rund zwanzigtausend politisch Verfolgte, etwa siebentausend Homosexuelle, tausende Christen, darunter allein eintausendfünfhundert Zeugen Jehovas, mehr als zwei Millionen Zwangsarbeiter und eine unbekannte, weil bis heute nicht systematisch aufgearbeitete Zahl sogenannter Asozialer wurden von den Nazis brutal und planmäßig ermordet. Die würfelförmigen Betonquader mit fest verankerter Messingoberfläche haben eine Kantenlänge von zehn Zentimetern und können sowohl in Pflaster-wie auch in Teerflächen niveaugleich eingebracht werden. Man stolpert folglich nicht mit den Füßen, sondern vielmehr mit den Augen und dem Herzen über die Stolpersteine. Ein erstes Gespräch mit dem Kölner Künstler hatten Teilnehmer des Arbeitskreises bereits Ende Oktober anlässlich der Stolpersteinverlegung in Thalfang. Rund 6000 Euro werden wohl benötigt, wenn für alle Opfer in Rhaunen Stolpersteine verlegt werden sollen. Bislang sind 2500 Euro, auf dafür eigens von der Verbandsgemeinde eingerichteten Konten, zusammengekommen. Noch nicht genug, um die Stolpersteinverlegung für alle Opfer wirklich umzusetzen. Weitere Spender oder Ideen sind also noch gefragt. Hier sieht allerdings der Initiator des Projektes Gernot Fritz, durchaus noch Potenzial. So denke man etwa in Kreisen des Stumm Orgelvereins darüber nach, die Aktion Stolpersteine über den Weg eines Klezmer-Konzertes zu unterstützen. Die Förderung des Andenkens an Verfolgte sei als gemeinnütziger Zweck nach § 52 Abs. 2 Nr. 10 der Abgabenordnung steuerlich abzugsfähig. Darauf macht Sascha Diepmans, der für den Arbeitskreis die Konten führt, ebenfalls in diesem Zusammenhang aufmerksam. Dankbar nahm die Runde das Angebot der Verbandsgemeinde auf, den Arbeitskreis Stolpersteine mit auf die Homepage der VG zu nehmen.

Die Gedenksteine sollen als dezentrales Mahnmal an alle Opfer des Nationalsozialismus erinnern. In der Folge trafen sich regelmäßig Interessierte, um das Schicksal der Betroffenen aufzuarbeiten.
Hilfreich war vor allem die Mitarbeit von Hilde Weirich, die sich als Autorin mehrerer Publikationen zur Verfolgung der Juden in der Region Hunsrück-Mosel einen Namen gemacht hat.
Nach umfangreichen Recherchen, unterstützt durch zahlreiche Spenden aus der Bevölkerung, war der Arbeitskreis in der Lage, im September 2012 die ersten 29 Stolpersteine durch Gunter Demnig verlegen zu lassen. Nun folgten 19 weitere Steine, die am Sonntag, dem 23. Februar 2014 durch Gunter Demnig an sieben Stellen des Ortes verlegt wurden.

Beispielhaft für das Schicksal einer jüdischen Rhauner-Familie: Familie Ermann

Adresse: Zum Idar 18

Arthur Ermann wurde am 05.03.1890 geboren. Von Beruf war er Viehhändler. Am 15.10.1941 wurde Arthur Ermann nach Lodz deportiert, wo er schwer erkrankte und die Nazischergen ihn am 12.04.1943 verhungern ließen. Seine Ehefrau Frieda war eine geborene Meyer, die am 13.05.1895 in Laufersweiler zur Welt kam. Frieda Ermann wurde, wie ihr Mann Arthur, am 15.10.1941 nach Lodz deportiert. 1942 wurde sie in Bergen-Belsen ermordet. Ein Schicksal, das sie mit der am 09.02.1928 geborenen Tochter Margot teilte, die ebenfalls am 15.10.1941 nach Lodz deportiert wurde und von dort nach Bergen-Belsen kam. Margot Ermann wurde für tot erklärt. Ergänzend zu den Angaben des Gedenkbuches des Bundesarchivs gibt es den Hinweis einer schwedischen Journalistin, wonach Margot Ermann nach Chelmo verlegt und dort 1944 ermordet wurde. Die am 21.05.1924 geborene zweite Tochter Wilma konnte 1939 nach Schweden fliehen. Sohn Kurt, geb. 20.09.1920 gelang am 20.01.1939 die Flucht nach Palästina.

Frieda und Arthur ErmannMargot ErmannWilma ErmannKurt Ermann

Bilduntertitel (von links nach rechts): Eheleute Frieda und Arthur Ermann, Tochter Margot Ermann
Tochter Wilma Ermann und Sohn Kurt Ermann
Repro: Hermann Mosel

Spendenkonto

Volksbank Hunsrück-Nahe eG, Bankleitzahl 560 614 72, Konto-Nr. 10014, IBAN:DE15 5606 1472 0000 0100 14, BIC: GENODED1KHK
Kreissparkasse Birkenfeld, Bankleitzahl 562 500 30, Konto-Nr. 800007, IBAN: DE57 5625 0030 0000 8000 07, BIC: BILADE55XXX
Verwendungszweck: Stolpersteine
Ein Stolperstein kostet 120 Euro, willkommen sind allerdings auch kleinere Spenden.
Schatten