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Albert Kahn

In Rhaunen am 21.03.1869 geboren - als erfolgreicher Architekt am 08.12.1942 in Detroit verstorben.

Albert Kahn (1869-1942)

Albert Kahn (1869-1942)

Wanderausstellung in Rhaunen am 30.06.2018 eröffnet - EU gab Zuschüsse für diese Ausstellung.

Das in die Jahre gekommene Häuschen in der engen Schustergasse 9 in Rhaunen ist eher unscheinbar. Schiefertafeln schützen das kleine Gebäude im oberen Bereich nur notdürftig; der Putz bröckelt darunter von der Wand. Nichts deutet darauf hin, dass dort einmal der wohl bedeutenste Industriearchitekt der Moderne gelebt hat: ALBERT KAHN. Sein Todestag jährte sich am 08.12.2017 zum 75. Mal.

Geburtshaus Albert Kahn

Geburtshaus Albert Kahn in der Schustergasse 9 in Rhaunen

Albert Kahn wurde in Rhaunen als erstes Kind von Rosalie und Rabbi Joseph Kahn geboren. Wirtschaftliche Probleme führte die Familie mit den sieben Kindern zur Übersiedlung nach Detroit/Michigan in Nordosten der USA, wo sie 1880 ankam. Der Vater, Joseph Kahn, fand dort keine geeignete Stelle als Rabbi und musste seine Familie u. a. als wandernder Obsthändler ernähren. Albert musste schon mit elf Jahren verschiedene Jobs annehmen. Unter Vermittlung des Bildhauers Julius Melchers, eines in die USA ausgewanderten sog. Forty-eighters, bekam er eine Stelle zunächst als Bürobote und später als Zeichner im Architektenbüro von Mason & Rice in Detroit.

Nach einer einjährigen Studienreise durch Italien, Frankreich und Deutschland wurde Kahn "Chief Designer" im Büro von Mason & Rice. Zusammen mit den Teilhabern A. Trowbridge und G. Nettleton machte er sich 1895 selbstständig. Die Büropartnerschaft dauert bis 1900, die darauf folgende mit Ernst Wilby bis 1918.

Unter Kahns Leitung entstanden nicht nur fast sämtliche Bauten und Werksanlagen der sogenannten "Großen Drei" und der übrigen US-Autoindustrie, wie ebenso die Fabriken für die amerikanische Luftfahrtindustrie, sondern auch Krankenhäuser, Banken, Verwaltungsbauten und öffentliche Gebäude wie Synagogen und Kirchen, Bibliotheken, Clubs, Schulen und Universitätsbauten, und hunderte von Villen für die legendären Autobarone Detroits. Von 1904 bis zu seinem Tod am 08.12.1942, führte Kahn über 2000 Fabriken weltweit aus. Sein Büro mit über 450 Mitarbeitern in den dreißiger Jahren war eines der größten in den Vereinigten Staaten von Amerika.

General Motors Building, Detroit

General Motors Building, Detroit

Glenn Martin Assembly Hall, Baltimore

Glenn Martin Assembly Hall, Baltimore

Mit seiner Fabrik für Fords T-Modell, entworfen für die Massenanfertigung nach Taylors "Prinzip der rationalen Organisation", stand Albert Kahn am Anfang der modernen Industrie. Das Erscheinigungsbild seiner Industriehallen begeisterte die Architekten der europäischen Moderne. Über sie wurde die strukturelle Rationalität von Kahns Industrieanlagen vorbildgebend für das Neue Bauen bis in die heutige Zeit. Hervorzuheben ist die in der Regel hohe ästhetische Qualität seiner Konstruktionen und der entstandenen weiten Hallenräume - vom Stahlbeton bis zur reinen Stahlkonstruktion.

Fabrik Fords T-Modell aussen

Fabrik Fords T-Modell - Aussenansicht

Fabrik Fords T-Modell Innen

Fabrik Fords T-Modell - Innenansicht 

Bemerkenswert ist ebenso die tiefgreifende Systematisierung der Arbeit in seinem Büro, das die Bauten in kürzester Zeit von der Planung zur vollendeten Realisierung führte.

Während der Großen Depression in den USA beauftragte ihn die Regierung der Sowjetunion mit der Planung und der Errichtung fast sämtlicher großer Industrieanlagen des ersten 5-Jahres-Plans. In einem Zeitraum vn zweieinhalb Jahren entstanden dort 531 Fabrikkomplexe - darunter die Traktorenfabrik Nr. 5 in Stalingrad, später Produktionsstätte für den T-34-Panzer, an der mit dem Ende des deutschen Vormarschs die Wende im 2. Weltkrieg eingeleitet wurde.

So wie seine Firma schon im ersten Weltkrieg Anlagen errichtet hatte, in der die Eagle-Boote für den U-Boot-Krieg gegen Deutschlang vom Fließband liefen, so rollten aus seiner ästhetisch eindrucksvollen Fabrik, dem "Chrysler-Tank-Arsenal" die Panzer für den Einsatz in Nordafrika, und aus seinem letzten Bau, dem Willow Run Plant, dessen Fertigstellung er nicht mehr erlebt hat, die Liberator-Bomber vom Fließband gegen die deutsche Kriegsmaschine.

Albert Kahn starb am 08.12.1942 in Detroit; im letzten Jahr 2017 jährte sich sein Todestag zum 75. Mal.

Nun ist an seinem Geburtsort in Rhaunen eine Wanderausstellung in Verbindung von Initaitiven zur Transformation des Geburtshauses Kahn zu einer Begegnungsstätte, sowie eine Buchpublikation vorbereitet.

 

Wanderausstellung:

Mit den Professoren Jürgen Reichardt und Thorsten Bürklin von der Schule für Architektur in Münster, Prof. Dr. Claire Zimmermann von der Universität Michigan sowie dem Filmregisseur Marcello wurden renommierte Begleiter zur Aufbereitung der wissenschaftlichen Bedeutung Kahns gewonnen. Bei mehreren Treffen wurde die Idee einer Wanderausstellung geboren.

Ortsbürgermeister der Ortsgemeinde Rhaunen, Manfred Klingel, hat dieses Projekt nun der Leader-Aktionsgruppe (LAG) Hunsrück vorgestellt - mit Erfolg: Die knapp 13.000 Euro teure Ausstellung wird von der EU zur Hälfte bezuschusst. Den Rest trägt die Ortsgemeinde.

Das Vorhaben: Die Wanderausstellung dient der kulturellen Förderung der Nationalparkregion Hunsrück-Hochwald sowie der Verbesserung der Förderung des Innenmarketings. Zunächst werden die Exponate im Geburtshaus in Rhaunen gezeigt, danach werden sie auch in verschiedenen Orten im Hunsrück zu sehen sein.

Erwartete Ergebnisse: Als wichtigstes Ergebnis wird vor allem das Bewusstmachen Albert Kahns überragender Bedeutung im kollektiven Gedächtnis von Ort, Region und Land erwartet. Zudem soll die Ausstellung zu Diskussionen, etwa zu Aspekten wie Kosten und Qualität im Vergleich zu Bauweisen Kahns zu heutigen Techniken anregen. Darüber hinaus soll das regionale kulturelle Verständnis gestärkt werden.

Ausführlichere Power-Point-Präsentation Albert Kahn:

Viele Informationionen zur Wanderausstellung in Rhaunen finden Sie auch unter: www.albertkahnarchitect.com

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