Stumm Orgeln
Hierzu zählen u.a. die wohl berühmteste STUMM-Orgel in Amorbach/Odenwald, die ehemalige Orgel in der Ludwigkirche/Saarbrücken, die „Mozart-Orgel“ in Kirchheim-Bolanden, aber auch viele kleine Orgeln, die von Orgelkennern nicht weniger geschätzt werden.
Die Orgeln
Über sechs Generationen hinweg haben die Stumm´s, die aus dem Hunsrückdörfchen Sulzbach bei Rhaunen stammen, im Verlauf von 190 Jahren (1716 – 1906) rund 400 Orgeln gebaut, von denen die meisten noch heute bei Konzerten und im Gottesdienst gespielt werden.
„Die STUMM-Orgeln zeichnen sich durch handwerkliche Gediegenheit, eine wohldurchdachte und harmonische auf den Prospekt (das „Gesicht“ der Orgel) abgestimmte innere Anlage aus. Kennzeichnend für den Klangcharakter dieser STUMM-Orgeln sind einerseits kräftige (manchmal auch „deftige“) am französischen Vorbild orientierte Zungenstimmen (z.B. Trompeten) , andererseits am süddeutschen Orgelbau orientierte Streicherstimmen.“Johann Michael STUMM begründete zu Anfang des 18. Jahrhunderts die Orgelbauer-Dynastie. Nach einer Lehrzeit als Schmied und Goldschmied errichtete er um 1716 in Sulzbach eine eigene Werkstatt, worin er sein erstes Opus anfertigte: die Orgel zu Kirchberg im Hunsrück. Verschiedene Widmungen, die Johann Michael STUMM seinen Instrumenten beifügte, lassen erkennen, dass der Baumeister sein Schaffen und seine Begabung nicht als selbstverständlich betrachtete.„Lobet den Herrn mit Seyten und mit Pfeiffen“ oder „Dies Orgel solle Gott allein, zu seinem Lob gewidmet sein ...“ lauten die Inschriften, die der Meister seinen Werken mit auf den Weg gab. Sie zeigen, dass ihr Erbauer seine Begabung als ein Geschenk Gottes verstand und unterstreichen die Demut, die der Meister in Anbetracht seines eigenen Werkes der göttlichen Schöpfung entgegenbrachte.
Johann Michaels bekannteste Orgel ist wohl die in der evangelischen Pauluskirche zu Kirchheimbolanden, die sogenannte „Mozartorgel“. Das zweifellos berühmteste und größte Instrument, das je aus einer STUMM´schen Werkstatt hervorgegangen ist und sich bis heute erhalten hat, ist die Orgel der evangelischen Abteikirche zu Amorbach im Odenwald.
Noch bekannter als die Orgelbauer wurden die STUMM´s als Hüttenbesitzer. Begründer dieser Linie war der ältere Bruder des ersten Orgelbauers. Als gelernter Schmied erwarb Johann Nikolaus STUMM im Jahr 1715 das Recht zur Errichtung eines Hammers „Auf dem Birkenfeld“ in der Gemarkung von Schauren und 1738 den Hammer zu Sensweiler. Damit war der Grundstein für den Aufstieg der STUMM-Dynastie, die eine Reihe weiterer Hammer- und Hüttenwerke auf dem Hunsrück und auf der Saar in ihren Besitz brachte, im Bereich der Schwerindustrie gelegt. Mit dem Erwerb der Neukircher Eisenwerke (1806) und der Erhebung von Karl Ferdinand STUMM in den erblichen Freiherrenstand (1888) erreichte die STUMM´sche Familientradition ihren Höhepunkt, die in dem Sulzbacher Schmied und Landwirt Christian STUMM ihren Stammvater hatten.Durch Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt gehört die STUMM´sche Eisenindustrie mittlerweile der Vergangenheit an. Auch viele der alten STUMM-Orgeln wurden wiederholt durch moderne Orgelbaufirmen, z.B. die Firma Oberlinger in Windesheim, renoviert und erweitert. Aus dieser ebenfalls traditionsreichen Orgelfamilie kam erstmals 1773 ein Familienmitglied mit dem STUMM´schen Orgelbau in Berührung, wohl durch eine Lehre in der Sulzbacher Werkstatt.
Der STUMM-Orgel-Verein Rhaunen - Sulzbach e.V.
Sonderkonzerte für Gruppen möglich auf Anfrage bei der Vorsitzenden des STUMM-Orgelvereins Elisabeth Jost unter Tel. 06781/44590
Vorstellung der Orgeln
Evangelische Pfarrkirche in Rhaunen
Katholische Pfarrkirche St. Martin in Rhaunen
Evangelische Pfarrkirche in Stipshausen
Evangelische Pfarrkirche in Hottenbach
Evanglische Pfarrkirche in Schauren
Evangelische Kirche in Sulzbach
Evangelische Pfarrkirche in Rhaunen
Die Orgel mit Akanthusschnitzereinen am Prospekt ist die älteste erhaltene STUMM-Orgel überhaupt. Sie wurde von Johann Michael STUMM 1723 als einmanualiges Instrument erbaut.
Nach einer umfassenden Renovierung und Erweiterung der Orgel durch die Firma Oberlinger im Jahr 1934 wurde das Werk 1979 auf seinen ursprünglichen Zustand von 1723 zurückgeführt. Es hat nach dieser beispielgebenden Restaurierung durch die Orgelbaufirma Klais (Bonn) nun wieder die originale Disposition.
Schlüssel für die Kirche: Frieda Hildebrand, Im Näsbachtal 5, Tel. 06544/9399
Katholische Pfarrkirche St. Martin in Rhaunen
Die Orgel stammt aus einer Werkstatt der Kirner Linie der Orgelbauerfamilie STUMM. Nachdem die Brüder Gustav und Julius STUMM in Emmerich eine Firma gegründet hatten, verlegte Gustav STUMM nach dem Tod seines Bruders die Werkstatt nach Kirn. Dort erbaute 1893 Gustav STUMM die Orgel für die katholische Pfarrgemeinde Rhaunen.
Schlüssel für die Kirche: Frau Fey, Frau Görg, Kirchstraße 3, Tel. 06544/264 oder 615
Evangelische Pfarrkirche in Stipshausen
Von 1686 bis zur Erbauung einer eigenständigen katholischen Kapelle 1780/81 wurde die Kirche simultan genutzt.
Die heutige evangelische Kirche ist ein Kirchenneubau von 1778. Nach den Plänen des Baumeisters Johann Petri aus Schneppenbach wurde das Gotteshaus anstelle der baufälligen mittelalterlichen Kirche als schlichter, dreiseitig geschlossener Saalbau errichtet. Seine Architektur ist vergleichbar mit den Kirchen von Schauren und Krummenau. Bemerkenswert ist wiederum die Innenausstattung.
Wegen der reichhaltigen Ausmalungen und barocken Ausgestaltungen des Kircheninneren gelten diese Kirchen als typische Vertreter des sog. „Hunsrücker Bauernrock“.
Die Orgel wurde zum Preis von 550 Talern im Jahr 1861 von den Gebrüdern STUMM aus Sulzbach erbaut.
Nach der Renovierung des Werkes im Jahr 1956 wurde die Orgel 1986 durch die Firma Weimbs (Hellenthal/ Eifel) erneuert und mit einem neuen Prospekt versehen.
Schlüssel für Kirche: Frau Scherer, Tel. 06544/8523
Evangelische Pfarrkirche in Hottenbach
Im ehemaligen Chorturm wurden 1972 umfangreiche figürliche Ausmalungen aus dem 14. Jahrhundert restauriert. Dort befinden sich auch ein römischer Viergötterstein, ehemals Bestandteil des mittelalterlichen Hochaltars und Hinweis auf eine römische Villa.
Die Orgel erbaute Johann Michael STUMM im Jahr 1737. Im Jahr 1904 wurde das Instrument von der Firma Gustav STUMM (Kirn) umgebaut und erweitert. Nach der im Jahr 1973 erfolgten Renovierung des Werkes durch die Firma Oberlinger (Windesheim) wurde 1989 die Orgel von der Firma Weimbs (Hellenthal) nach- und umintoniert.
Schlüssel für die Kirche: Pfarrer Erik Zimmermann, Hauptstraße 7, 55758 Hottenbach
Evangelische Pfarrkirche in Schauren
Die Orgel mit Rokoko-Gehäuse von 1780 stammt aus der Sulzbacher Orgel-Werkstatt STUMM. 1969 wurde das Instrument von der Firma Oberlinger renoviert.
Schlüssel für die Kirche: Presbyter Wolfgang Loch, Brunnenweg 3, Tel. 06786/7179
Evangelische Kirche in Sulzbach
Die Orgel ist das letzte zu Lebzeiten von Johann Michael STUMM erbaute Instrument, das er im Jahr 1746 seiner Heimatkirche schenkte. Das Metallpfeifenwerk, das gegen Ende des 18. Jahrhunderts ein Opfer von Requisationsmaßnahmen französischer Revolutionstruppen geworden war, wurde um 1820 generell erneuert. Nach zwischenzeitlicher Renovierung des Werkes durch die Firma Oberlinger erfolgte 1979-81, ähnlich der Orgel zu Rhaunen, eine grundlegende Restaurierung des gesamten Orgelwerkes durch die Firma Johannes Klaus (Bonn).
Für die Besichtigung der Kirche in Sulzbach mit Erläuterungen zur historischen Orgel und zur berühmten Orgelbaudynastie STUMM wenden Sie sich bitte an:
- Inge Klingels, Zum Hügel 2, 55758 Sulzbach, Tel. 06544/1390
- Otmar Wegner, Kirchstraße 16, 55758 Sulzbach, Tel. 06544/1572


